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Florian Gallenberger zeigte
1997 seinen Kurzfilm Tango Berlin in Hof.
1999 lief in Hof QUIERO SER,
für den er 2001 den OSCAR
(Best Short Film, Live Action) erhielt.
2005 wurde ihm für seinen
ersten langen Spielfilm SCHATTEN DER ZEIT der "Bayerische
Filmpreis für den besten Erstlingsfilm"
verliehen. |
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Das Hotelzimmer hat die Größe eines
Schuhkartons, und ich teile es noch mit meinem Co-Regisseur German
Kral. Es gibt nur ein Bett, kein Bad, das Zimmer befindet sich in
einem lichtlosen Rückgebäude neben einer Tankstelle (eine
Vielzahl deutscher Filmemacher - vor allem ehamlige Filmhochschüler
- kennen dieses Rückgebäude, denn wer Anfänger ist,
logiert hier, und so haben wohl die meisten Karrieren mindestens
einmal in einem dieser Zimmer Station gemacht). |
Wir haben kein Auto
und pilgern mit den anderen, die auch kein Auto haben, durch die triste
Suburbi von Hof zum Festival. Das sollen die sagenumwobenen Hofer
Filmtage sein? Die Wiege des neuen deutschen Films? Stätte filmischer
Heldentaten? Wir sind enttäuscht.
rechts: Foto aus Tango Berlin |
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Doch wenig später stehen
German und ich in einem Kino, das so überfüllt ist, wie
ich es noch selten erlebt habe. Wir zeigen unseren Kurzfilm TANGO
BERLIN und kommen uns vor wie die Könige, denn noch nie hatten
wir so ein Publikum, noch nie sind wir mit unserem Kurzfilm so ernst
genommen worden. Das sind also die Hofer Filmtage! Wir beginnen
zu verstehen und sind glücklich, hier zu sein.
Nach der grandiosen Vorführung wartet ein Mench mit beeindruckender
weißer Löwenmähne auf uns - Jimi Vogler. Er fragt,
ob wir Fußballspielen können. Klar können wir, aber
warum? (Man muß sich vorstellen, dass wir nicht einmal wußten,
dass es in Hof ein traditionelles Fußballspiel gibt. Was lernt
man eigentlich auf der Filmhochschule?)
Doch das Spiel wird zum Debakel für mich: Meine Schuhe kommen
nicht durch die Materialkontrolle des Trainers, und ich muß
mir die von Wim Wenders leihen, nachdem er ausgewechselt wird. Nur,
er hat die Größe 45, ich 42. Als ich dann in einem Laufduell
einen Schuh verliere, werde ich sofort vom Feld genommen, mit der
Bergründung, die Spielzeit sei auf die Dauer des Films bemessen.
TANGO BERLIN ist fünf Minuten lang. |
DAS ZWEITE MAL - 1999:
Diesmal mit meinem Film QUIERO SER. Komme mir schon vor wie ein
alter Hof-Profi, denn ich war ja schonmal hier (dass es Menschen
gibt, die in diesem Jahr zum 33. Mal nach Hof kommen, ist einem
Grünschnabel wir mir nicht vorstellbar). Mein Zimmer ist riesig
im Vergleich zum ersten (teile es aber mit drei Anderen, die gar
kein Zimmer bekommen haben). |
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QUIERO SER läuft - wie immer in Hof, könnte man sagen
- vor ausverkauftem Saal, und ich bemerke, dass Hof einer der wenigen
Orte ist, an dem sich Filmemacher nicht nur für den eigenen
Film interessieen, sondern tatsächlich auch für das Werk
ihrer Kollegen. Vielleicht ist es eine Mischung aus dem Geist der
Anfangsjahre des Festivals und der Abgeschiedenheit von der tagtäglichen
Filmszene, die in Hof den Neid und die Mißgunst untereinander
zum Schweigen bringt. Und natürlich das alles vereinende Fußballspiel,
das für mich erneut zu einem herben Rückschlag wird. Als
ich mit meinen niegelnagelneuen Fußballschuhen anlaufen will,
pfeift der Trainer mich zurück. Ungetragene Schuhe kommen nicht
in Frage! Danach werde ich erst in der 83. Minute eingewechselt,
nach dem mir ein Kollege seine Schuhe zur Verfügung stellt
und versichere, dass sie besser passen als letztes Mal die von Wim
Wenders. Sieben Minuten Spielzeit. Ich fühle mich betrogen,
immerhin ist QUIERO SER 34 Minuten lang.
DAS DRITTE MAL - 2001:
Ohne eigenen Film. Nur um andere Filme zu sehen, und wegen des
Fußballspiels natürlich.
Im Kino bemerke ich, welchen Unterschied es macht, an einem Festival
teilzunehmen, ohne einen eigenen Film dazuhaben. Der Blick wird
freier, die Angst ist kleiner und das Interesse größer.
Ob das wohl im ganzen Leben so ist?
Fürs Fußbalspiell bin ich bestens gewappnet: eingelaufene
Fußballschuhe, gute Kondition, und mit meinem Oscar im Gepäck
werde ich bestimmt ausgiebig zum Zuge kommen - denke ich.
Doch Hof ist Hof, und das heißt, daß ich in der 41.
Minute eingewechselt werde, und zwar als rechter Verteidiger - wobei
ich doch eine Stürmerseele bin. Weswegen mich auch nichts halten
kann und ich trotz lauthalsiger Befehle von der Bank im gegnerischen
Strafraum agiere. Dort werde ich hinterrücks zu Fall gebracht,
und der Schiri pfeift Elfmeter. Das ist mein Durchbruch, denke ich,
jetzt werde ich zum Stammspieler avancieren. Als jedoch der Mannschaftskapitän
den Elfer verschießt, werde zur Strafe ich ausgewechselt 144.
Minute), und in der Pause wird mir mitgeteilt, daß ich mich
umziehen könne. Ergebnis: 3 Minuten Spielzeit (von wegen Oscarbonus).

Die Teams 2001
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FAZIT:
Die Hofer Filmtage stellen für ein langes Wochenende immer
wieder einen erstaunlich unmittelbaren und ehrlichen Kontakt innerhalb
der Filmszene her und lassen uns dadurch (vorübergehend) die
Hybris und Selbstbezogenheit vergessen, mit der wir normalerweise
auf uns und unsere Arbeit blicken.
Das Festival beweist, wie viel jemand, der wirklich für eine
Sache lebt und steht - Heinz Badewitz nämlich -, aufbauen kann
(und das trotz einer erstaunlich unmodischen Frisur), und wie sehr
ein Ort und eine ganze Branche davon profitieren können. Hof
ist das menschlichste Festival, das ich kenne, ein gelungenes Heilmittel
gegen die landläufige Selbstüberschätzung und eine
Chance, einander unvoreingenommen zu begegnen. Ich möchte Heinz
Badewitz für das Festival und für das Geschenk, das er
uns allen damit macht, ganz herzlich danken.
Florian Gallenberger
P.S. Nur über meine Einsatzdauer beim Fußball muß
noch mal gesprochen werden.
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