Filmtage- Historie
  Kleine Geschichte der Hofer Filmtage 1967 - 1969

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Mai 1969: Gartenparty vor den Filmen
v.l.n.r: Peter Emanuel Goldman (USA, Regie WHEEL OG ASHES), Heinz Badewitz, Prof. Antonin Navratil (Filmhochschule FAMU, Prag) Hark Bohm, Natalia Bowakov



1970 - AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN von Werner Herzog

 

»So ein Tag, so wunderschön wie heute« wurde am 28. Mai des Jahres 1967 in Hof gesungen. Freilich nicht, weil die Stadt nun ein Filmfestival hatte. Vielmehr: Im Stadion Grüne Au feierte der heimische FC Bayern Hof einen Sieg in der Aufstiegsrunde zur Fußball-Bundesliga - 5:2 gegen Borussia Neunkirchen.

Hof 1967: eine Fußballstadt. Nicht zufällig blieben die Hofer FIlmtage, deren Vorläufer an jenem 28. Mai aus der Taufe gehoben wurde, bis heute dem Fußball verbunden: kein Festival ohne das Match zwischen dem mit Filmprominez besetzten FC Hofer Filmtage und der sogenannten Hofer Auswahl.

Erste Hofer Filmtage hat es, genau genommen, gar nicht gegeben. Was an einem Sonntagvormittag vor etwa 100 Besuchern im Regina- Filmtheater ablief, war - den handgemalten Plakaten zufolge - »das kleinste Filmfestival der Welt«. Zu sehen gab es neun Kurzfilme, von denen der kürzeste 59 Sekunden, der längste knapp 20 Minuten dauerte. Unter den Regisseuren: Vlado Kristl, Uwe Brandner und der in München lebende Hofer Heinz Badewitz, der das Ganze organisiert hatte und - als Uraufführung - seine LEIDEN DES JUNGEN TRAUERBÖCK zeigte.

Zwar wurde nicht ernsthaft an eine Fortsetzung gedacht, aber beim Bier in der Gaststätte »Bootshaus« von Werner Weinelt, dessen »New ]azz Group« als Urzelle des Festivals gilt, sprach man schon mal darüber, wie es wäre, wenn aus der Kurzfilm-Matinee »Hofer Filmtage« würden. Der entscheidende Anstoß dazu ging im folgenden ]ahr von den Westdeutschen Kurzfilmtagen aus. Weil das renommierte Oberhausener Festival eine Vorzensur einführte, zogen viele Regisseure aus Protest ihre Filme zurück. Badewitz nutzte die Chance und lud die Kollegen in seine Heimatstadt ein. Motto: »Alle wollen in die Großstadt - wir nicht.«

Weil Hof auch eine Bierstadt war, fingen die 2. Internationalen Hofer Filmtage - so hießen sie schon - an einem Freitagnachmittag im Mai mit der Besichtigung einer der damals noch vielen örtlichen Brauereien an. Im Garten derselben saß man gemütlich beisammen, ehe im Scala-Kino der erste Film angeschaut wurde: Vlado Kristls DER BRIEF; der war sehr schräg, und auch im weiteren Programm gab es manches aus jenen Regionen, die man seinerzeit Underground nannte. Werner Herzog und Werner Nekes, Adolf Winkelmann und George Moorse waren mit Kurzfilmen dabei, für Internationalität sorgten unter anderen, Gäste aus Prag (von denen einer das Treiben der filmenden Kollegen im Westen als »Materialverschwendung« beklagte), zum Abschluß am Sonntagnachmittag lief die CHRONIK DER ANNA MAGDALENA BACH von Jean-Marie Straub.

Für die dritte Auflage des Festivals im Jahr 1969 suchte das inzwischen gegründete Cine-Center Hof e.V., von nun an Veranstalter der Filmtage, im Rathaus um einen Zuschuß nach. Als der Stadtrat darüber debattierte, war ein unvergeßlicher Satz zu hören: »Alle diese Sachen tragen dazu bei, daß unsere Kultur absinkt, und dafür ist jede Mark zu schade.« 1000 Mark, die Hälfte der beantragten Summe, schienen dem Gremium als Investition ins Festival dennoch nicht unangemessen.

Die 3. Filmtage gingen erstmals im Central-Theater über die Bühne - wo sie auch bleiben sollten. Das Kino, Hofs größtes, war damals ein 900-Plätze-Haus; erst 1976, rechtzeitig zur Zehn-lahres-Feier des Festivals, wurde es dreigeteilt und später, nach und nach, auf sechs Spielstätten erweitert. Bemerkenswert: Es passierte - selten zwar, aber doch -, daß das große Haus beim Festival ausverkauft war. Fast voll besetzt war es 1969, als Hans W. Geißendörfer, zu jener Zeit ein Unbekannter, DER FALL LENA CHRIST vorführte, einen Film über autoritäre Strukturen der Gesellschaft und ihrer Institutionen.

Allerdings kam es auch vor, daß das Publikum im Saal »Aufhören« verlangte. Und einmal, beim 3. Festival, wurde tatsächlich aufgehört: UNTERMANN - OBERMANN hieß der Film, dessen Abbruch die Zuschauer durch Proteste erzwangen.

Im Programmheft des ]ahres 1969 schrieb Heinz Badewitz: »Jeder kann seinen Film in Hof zeigen. Die einzige ,Zensur', die stattfindet, ist die Beschränkung auf fünf Vorstellungen.« Das galt auch noch im Jahr darauf, als man in Hof Fassbinders GÖTTER DER PEST und Herzogs AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN sehen konnte und zwei kleine Zeichentrickfilme - die Helden waren PORNO-HUGO und MICKY MAUS IN VIETNAM - Jubelstürme entfesselten. Dann aber wurde ein neues Konzept für notwendig befunden. »Fünf Jahre«, sagte der Filmtage-Chef, »sind für ein Festival ein gefährliches Alter.« Um einer Krise vorzubeugen, beschloß er, die totale Offenheit seiner Filmtage zu beenden: Von nun an sollte eine bewußte Vorauswahl getroffen werden.