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Variable Konstante
»Fragt man nach der Bedeutung Hofs für den deutschen
Film, so kann man nicht von einer Ästhetik oder Schule sprechen.
Traditionell herrscht ein unabhängiger Geist, und die Retrospektiven
sind die Königs-disziplin der independents. Die Filme sind
unterhaltend und originell. Sie sind vergnüglich unangepaßt.
Heinz wird nie ein komplett kompromiss-lerisches Programm machen,
soviel steht fest. Eben darin besteht der Geist, der zweifellos
auch ein Einfluß ist. Schon deswegen braucht niemandem bange
zu sein wegen der Zukunft der wunderbaren, bravourösen Hofer
Filmtage, die eine Institution sind durch sich selbst und nichts
sonst.«
Laurens Straub
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Es war vermutlich 1967.
Wir fuhren zu dritt in einem alten, klapprigen Käfer, einem
ehemaligen Streifenwagen, nach Hof, suchten uns ein Zimmer, in dem
wir zu dritt schliefen, und sahen Filme, an denen wir zum Teil mitgearbeitet
hatten, von Leuten, die drei bis fünf Jahre älter waren
als wir. Ich war schon Requisiteur, Regieassistent, Drehbuchautor
und Schauspieler und vermutlich 23 lahre alt. Es ging darum, Filme
zu sehen von Leuten, die so waren wie man selbst und die dasselbe
wollten. Obwohl sich das heute nach Herdentrieb anhört, hielten
wir das damals für höchst individuell.
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übernachteten mit einem unvergeßlich hübschen
Mädchen in einem Bett, genauso wie Leaud in einem Film
von Truffaut. Vielleicht war das auch das Eigentliche. Aber
etwas war geschehen. Nach Hause fuhren wir mit Kräften,
von denen wir glaubten, wir könnten mit ihnen die Welt
aushebeln. Überall war Aufbruch. »Was jetzt kommt,
gehört uns und niemandem sonst.« Das glaubten wir
damals. |

Tuschi bei den Filmtagen 2004 |
Letztes Jahr fuhr Cyril (Tuschi)
mit seinem Wohnwagen vor, um seinen Film HUNDESÖHNE
zu zeigen. Seine Teammitglieder kamen per Mitfahrgelegenheit nach
Hof. Auch sie glaubten, die Welt gehöre ihnen, zumindest für
drei oder vier Tage. Einheit von Ort und Filmutopie. Traumnähe.
Geistesverwandtschaft. Brüderlichkeit. Filmfamilie. Alles große
Worte wie aus einem get-together-Marketingprogramm. Dennoch, die Idee,
daß Film das Wichtigste auf der Welt ist, hat in Hof seine Gültigkeit
behalten. Das Wichtigste ist, daß es unsere Filme gibt. Hier
gilt das noch.
Wenn es um eine filmhistorisch korrekte Beschreibung geht, so liegt
sie im Wandel der Zeiten: Konstanten und Variablen, sozusagen. Konstant
ist die Haltung dem Film gegenüber, variabel die Qualität
der Jahrgänge.
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Laurens Straub und Albert Maysels |
1967
ist die Zeit der Autodidakten, obwohl SAME PLAYER SHOOTS AGAIN
von Wenders schon ein Hochschulfilm war, ebenso wie der legendäre
BLUE VELVET. Heute sind es Studenten, die danach
fiebern, nach Hof zu kommen. Das ist der Strukturwandel. Tatsächlich
habe ich nicht das Gefühl, daß die Begeisterung für
Film abgeflacht ist. Quantitativ wollen heute sogar wesentlich mehr
Leute Filme machen als vor vierzig Jahren.
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Wenn man
nach der Bedeutung Hofs für den deutschen Film fragt, so kann
man nicht von einer Ästhetik oder Schule sprechen. Traditionell
herrscht ein unabhängiger Geist, und die Retrospektiven sind
die Königsdisziplin der Independents. Die Filme sind unterhaltend
und originell. Sie sind vergnüglich unangepaßt. Es gibt
Jahrgänge, in denen es weniger gelingt, bei den Debütanten
diesen Geist zu finden. Aber Heinz wird nie ein komplett kompromißlerisches
Programm machen, darauf kann man sich verlassen. Und eben darin besteht
der Geist, der zweifellos auch ein Einfluß ist. In mutigen und
kontroversen Zeiten blüht er offenbar mehr als in schläfrigem
Wohlstand.
Schon deswegen braucht niemandem bang zu sein wegen der Zukunft der
wunderbaren, bravourösen Hofer Filmtage, die eine Institution
sind durch sich selbst und nichts sonst.
Laurens Straub |
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